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Full text of "[untitled] Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete des Deutschen, Griechischen und Lateinischen, (1861-01-01), pages 309-314"

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anzeigen. 909 

schou ein erhebliches gewonnen werden, wenn die redacteore 
der gröfseren zeitangen für die amgestaltang gewonnen werden 
könnten. 

A. Kahn. 



Deutsche grammatik. Mit rücksicht auf vergleichende Sprachforschung 
von Dr. H. B. Rumpelt, privatdocenten an der Universität zu 
Breslau. Erster theil, Lautlehre. Berlin, F. Dümmler's Verlags- 
buchhandlung. 1860. XXIII. 328 s. 8. 

Der verf. hat sich die aufgäbe gestellt, die deutsche gram- 
matik in historischer entwicklang darzulegen und damit war bei 
dem zusammenhange der deutschen spräche mit den übrigen ger- 
manischen und indogermanischen ein zurückgehen auch auf die 
allen gemeinsamen grundlagun nothwendig, soweit sie zur erklfi- 
rung der erscheinungen auf deutschem Sprachgebiet förderlich 
sind. Da derselbe aber nur die hochdeutsche spräche zum ge- 
genstände seiner entwicklung gewählt bat, so war ein tieferes 
eingehen auf die nordgermanischen und die niederdeutschen spra- 
chen von vornherein ausgeschlossen und wurden sie daher ebenso 
wie die heutigen oberdeutschen mundarten nur da berücksichtigt, 
wo aus ihren verhfiltnissen auch licht auf die der hochdeutschen 
Schriftsprache fiel. Das gothiscbe dagegen mufste naturgemäfs 
als der älteste und vollkommenste deutsche sprachzweig überall 
zu gründe gelegt werden, da nur aus ihm die feste grundlage 
für die spätere entwickelung des hochdeutschen zu gewinnen 
war. Da der verf. aber ferner hinsichtlich seines leserkreises 
auch zunächst an die bedürfnisse der studirenden gedacht hat, 
so hat er sich besonders no.ch bemüht durch sein buch eine Ver- 
bindung zwischen dem altklassischen und germanischeu gebiet zu 
begründen, und zu diesem zweck überall die verwandten erschei- 
nungen aus den klassischen sprachen und dem sanskrit mit in 
den kreis der betrachtung gezogen. 

Dafs eine von diesen gesichtspunkten ausgehende darstellung 
der deutschen grammatik eine wohlberechtigte sei, läfst sich nicht 
läuguen, dafs sie eine von der entwickelung der deutschen und 
vergleichenden Sprachforschung fast naturgemäfs bedingte sei, 
möchte schon der rein äufserliche umstand vermuthen lassen, 
dafs zwei forscher, Schleicher und der verf., fast zu gleicher zeit 



310 Kuhu 

dieselbe ao^abe, wenn aacb zam tbeil auf verschiedenen wegen, 
za lösen rersachten. Es gilt in der that eine Vereinigung der 
Standpunkte Bopp's und Grimm's, die zum theil schon von den 
beiden Schöpfern der vergleichenden Sprachforschung selber an- 
gebahnt ist, und sich in der weitern entwicklung dieser Wissen- 
schaft mit nothwendigkeit vollziehen mufs. Der verf. stellt daher 
in seinem buche überall die ansichten beider meister nebeneinan- 
der und sucht da, wo sie von einander abweichen, vermittelung 
oder entscheidung nach einer oder der andern seite. Die erstere 
ist er tbeils durch aufstellung neuer, selbständiger ansiebten, 
theils durch entwicklung und vertheidigung der ansichten andrer 
forscher herbeizuführen bemuht Dafs es sich übrigens in einer 
darstellung der deutschen grammatik, was das material betrifft, 
im grofsen und ganzen nur um die durch Grimm geschaffene 
gmndlage handeln könne, dafs seine grammatik nicht eben nur 
solcbe, sondern auch Sprachschatz sei, erkennt der verf. dankbar 
an. Da, wo es sich dagegen um die vergleichang des deutschen 
Sprachstoffes und der an ihm hervortretenden erscheinungen mit 
den verwandten sprachen handelt hat der verf. theils das mate- 
rial selbst herbeigeschafft, theils das von anderen namentlich von 
Bopp, Pott, Heyse zusammengetragene für seine darstellung be- 
nutzt 

Werfen wir nun einen blick auf die lösnng der vom verf. 
angestrebten aufgäbe, so können wir ihm das zeugnifs nicht ver- 
sagen, dafs ihm dieselbe im ganzen gelungen ist; seine darstel- 
lung ist klar, kurz und bestimmt und dürfte daher den leserkrei- 
sen, für die er sein buch vorzugsweise bestimmt hat, ganz be- 
sonders zu empfehlen sein. Dafs er die natnr der laute in ganz 
besonders ausführlicher weise entwickelt hat, dürfte bei der Ver- 
nachlässigung, die dieses gebiet in den bisherigen forschungen 
im allgemeinen erfahren hat, zwar manchem zunächst unbequem 
und trocken erscheinen, allein die bedeutung der hierher gehöri- 
gen Untersuchungen ist darum keine geringere, sie ist um so noth- 
wendiger, als es sich hier am ein wissenschaftliches begreifen von 
erscheinungen handelt, die vom Standpunkt der blofsen erfabrung 
aus zum theil rSthselhaft erscheinen, sie ist um so nothwendiger, 
als erst durch sie ein verstfindnifs über das wesen der neuhoch- 
deutfichen ausspräche herbeigeführt wird, die mit der frage über 
die Umgestaltung der orthojgrapbie im innigsten zusammenhange 
steht, wie denn die vom verf. entwickelten ansichten über die 



anzeigen. 311 

Zischlaute und die vorschlage zu ihrer graphischen darstellnng be- 
reits herrn dr. Michaelis in einem eigenen aufsatze „über Ram- 
pelt's Orthographie der Zischlaute" in der zeitschr. für Stenogra- 
phie und Orthographie zu einer eingehenden prüfnng veranlafst 
haben, der zugleich einen, reichen Stoff enthaltenden beitrag zur 
neueren gescbichte der Orthographie der Zischlaute bildet. Wir 
wollen auf eine prüfung der hier entwickelten ansichten nicht 
weiter eingehen, um so weniger als sich uns noch später mehr- 
fach gelegenheit bieten wird auf dieselben zurückzukommen; im 
ganzen stimmen wir den hier ausgesprochenen ansichten voll- 
kommen bei. 

Wir gehen schliefslich noch zur besprecbung einiger einzel- 
nen punkte über, die uns theils der berichtigung, theils der wei- 
tern prüfung zu bedürfen scheinen, s. 60 §. 32 d ist gesagt, dafs 
die Norddeutschen genau den anslaut in weg und sack, ward 
und hart, dieb und hoppi unterscheiden; ich habe im norden 
Deutschlands zwischen Oder und Rhein viel und oft auf die aus- 
spräche geachtet, entsinne mich aber dort keine derartige erfab<- 
ruDg gemacht zu haben; man setzt entweder die tenuis also k, 
t, p oder, was auch bei gebildeten in ableitungssilben entschie- 
den die regel ist, es tritt eine erweichung zur spirans ch ein. 

s. 65 §.37 1 . Die vergleichung von fötaus mit skr. padas, 
gr. nodös j lat. pedis ist keine zutreffende, da die letzteren alle 
kurzen vokal und consonantischen auslaut des Stammes zeigen. 
Ebd. sowie s. 67 2e ist die vergleichung von aigan und sxsiv, 
obwohl auch von anderen mehrfach aufgestellt nicht haltbar, 
ixsiv führt entweder auf sah oder vah zurück, und weder s noch 
V schwinden im gothischen anlaut aigan hat überdiefs entschie- 
dene länge des ai, wie eigan, eigen zeigen; es geht auf skr. 19 
„1) zu eigen haben, eigenthfimer sein 2) verfügen über, mächtig, 
herr sein" zurück,- dafs die regelrechte Vertretung von <} durch 
h die ursprüngliche und das g erst seknndair sei, zeigt der noch 
bestehende wechse) zwischen aigands und aihands, aigum und 
aihum, aih und aig (Gab. und Loebe gramm. §. 40 3). 

§. 39 4 8. 71. Der ausdruck, wonach die relative wie öno- 
fog u. s.w. durch Vorschlag von o aus dem stamme noaoi u. s w. 
gebildet seien, widerspricht der bisherigen annähme von der Zu- 
sammensetzung dieser form, war also jedenfalls näher zu be- 
gründen. 

§. 40 2 8. 73. Ueber Graff's vermuthung, dafs im ahd. Iä3an, 



312 Kuhn 

goth. letan, die sonst auf dem gebiete gernaanischer sprachen ver- 
schwundene wrz. da stecken möge, ist zu bemerken, dafs erstens 
für den fall, dafs man den anstaut, wurzelconsonanten nicht be- 
rücksichtigen wollte, man doch lieber auf die in den veden hSnfige 
wrz. rä, 3 sg. räti, rate zurückgehen möchte, da r in den reden 
an stelle des 1 der übrigen sprachen fast regel ist; dann aber 
zweitens erscheint in den veden eine würz, rad, 3 sg. radati con- 
cedere, dare, die freilich kurzen vokal zeigt, aber dessenunge- 
achtet nSheren ansprucb auf die vergleichung mit letan haben 
möchte. Jedenfalls aber scheint mir dadämi durch das uJd. dön, 
welches sonst dem skr. dadhämi entspricht, mitvertreten, man vgl. 
nur solche redensarten wie „dö roi dat bök ins, reich mir das 
buch einmal — du most mek dine mantele dann, du must mir 
deinen mantel leihen — dat land doit nich vele, für das land 
wird nur ein geringes pachtgeld gezahlt — do mi doch 'n dri'r, 
leih mir doch drei pfennige — do maol 't glas her gib mal das 
glas her". Vergl. noch mitdon mitgeben, verdon verschwenden 
und das nhd. verthun. — „ik do di dat nich, ich gebe dir das 
nicht — wat deit de ro^e, was kostet der roggen" und ähnli- 
che, wie man sie oft hört, um sich davon zu überzeugen, vergl. 
brem. ndd. wtb. I, 224, Schambach wtb. d. nd. mundart s. v. daun, 
Danneil wtb. s v. dön, Stürenburg ostfries. wtb. s. v. dön. 

§.48 3 a 8. 92 heifst es: ,Im klassischen sanskrit tritt der 
zetacismus nur erst in schwachen sparen auf, für die spätere 
zeit aber beruht auf ihm die jetzt übliche ausspräche der palata- 
len." Das ist wohl nur mifsverständlich aus Schleicher zetacis- 
mus 8. 59 deducirt; die zahlreichen c und j die schon in den 
veden auftreten sind doch keine schwachen spuren und im spä- 
teren, dem sogenannten klassischen sanskrit, das eine blofse 
Schrift- und Umgangssprache der höheren stände wie unser hoch- 
deutsch ist, hat sich die schaar derselben wahrlich nicht ver- 
mindert. 

§.49 3 a wird columella als von columna mit epenthetischem 
e gebildet bezeichnet, während columna doch wohl ebenso wie 
columen ein ursprüngliches e gehabt haben wird. Ib. b werden 
gessi und ussi irrthüralich als beispiele der assimilation von rs 
zu SS genannt. 

§. 55 — 62 behandeln die wichtige lehre vom ablaut ausführ- 
lich und entwickeln aufser den ansichten Bopp's und Grimm's 
auch die von Jacobi und Holtzmann; zu der des letztern scheint 



anzeigen. 313 

der verf. sich im allgemeinen selbst zu bekennen, obgleich er 
dies mehr andeutet als ausdrücklich ausspricht. Die hier gege- 
bene klare und übersichtliche darstellang ist wohl geeignet zu er- 
neuter Prüfung dieser wichtigen lehre anzuregen, in der, wie ref. 
nicht verhehlen will, Holtzmann ihm im ganzen im recht zu 
sein scheint. Wenn der vf. übrigens in der anm. zu §. 59 s. 1 18 
bemerkt, dafs sich im lateinischen sparen von wirklicher guni- 
rung, selbst mit geschwächtem zolautsvoka) gar nicht finden und 
dico, düco nur als Verlängerungen des wurzelvokals ansieht, so 
hat er dabei das deico und douco der inschriften, sowie andere 
formen, welche Corssen I, 154 ff. bespricht übersehen. — Auf 
derselben seite no. 2 ist inXäyrjV neben dem „in comp, auch 
inkäpiv'^ zu streichen, vgl. Lobeck zu Buttm. gr. p. 281. 

§.64 4 a s. 134. Gegen die bemerkung, dafs in der ganzen 
hochdeutschen spräche es keinen fall gebe, wo seh unmittelbar 
hinter langem vokal (diphthonge ausgenommen) stünde, steht das 
praet von waschen, ich wusch; die berliner Volkssprache zeigt 
noch dasselbe verhältnifs in flusch und fluschen, ja selbst vor 
tscb in knutschen. 

§. 70. 1. s. 143 in aut (das gleich skr. uta gesetzt wird) un- 
organische Verlängerung wie „etwa in aurora, skr. nshäsä" an. 
zunehmen, ist bei der abneigung des lateinischen gegen diph- 
thonge nicht gut möglich, Uta hat aufserdem die bedeutung „oder" 
nur in Verbindung mit vä und eben durch dieses. Aufrecht ver- 
glich aut (umbr. denkm. I, 61) mit umbr. ute, ote, osk. avt, auti, 
griech. avTB, avvaq, was auf einen ganz anderen stamm führt. 

§. 73. 1. s. 152 wird deus unmittelbar mit dyaus verglichen, 
was nicht angeht, da es = devas ist; das v ist wie in zahlrei- 
chen anderen fällen zwischen zwei vokalen ausgefallen und dann 
die Verkürzung des e nach allgemeiner regel wegen des folgen- 
den Vokals eingetreten; vergl. Corssen I, 137 f. — ebend. wird 
gotb. naus als aus' nagus entstanden vermuthet, lat. nex, necare, 
vixvs, z. na^u zeigen aber, dafs nabus die ursprüngliche form 
gewesen sein müsse. 

§.75. 3. s. 158 werden die lateinischen Infinitive auf ier und 
die griechischen nebenformen der verba auf &<o zur syilabischen 
epithesis (paragoge) gerechnet; nach unserer ansieht haben Lange 
(über den inf. pass.) und Curtius tempora und modi s. 87 über 
diese angeblichen epithesen das richtige autgestellt 

§. 76. 2 a 8. 1 5!) werden formen wie redarguo, redigo, sedi- 



314 Gerland 

tio als fSlIe der aafhebangi des biatos durch epenthese aufge- 
stellt, während doch feststeht, dafs red (prati) und sed die nr- 
sprüngliclien, re und se erst die geschwächten formen sind, mit 
pro wird es ähnlich bewandtnifs haben, was hier aaseinander- 
zusetzen zu weit führen würde. 

§. 105. 6. s- 209 wird gesagt, dafs goth. b zuweilen dem b 
der urverwandten sprachen, selbst dem p, entspreche und als 
beispiel sibnn : Septem, imä, saptan beigebracht, wo doch der 
ausfall des t zeigt, daTs auch noch andere lautveränderungen mit 
in anschlag zu bringen sind. 

§. 10r>. 5. 8. 210 heifst es, dafs goth. p in den wenigen fäl- 
len, welche überhaupt eine vergleichung zulassen, dem p der ur- 
verwandten sprachen entspreche, dabei ist |>aurp, verglichen mit 
turba, unberücksichtigt geblieben. 

§. 107. 6. s. 212 werden zweifelnd formido und faurhta, 
fona and skr. bhänu zusammengestellt; ersteres gehört wohl un- 
bedenklich zu skr. ved. bhrmi der verwirrte und der verwirrer, 
auch der Wirbelwind, was zu bhram und fremere weiter führt, 
vgl. Roth z. Nir.VI, 20; letzteres ist doch von nvQ, pavana, fo- 
cus, fiur nicht zu trennen, f aus bh wäre überdies gegen die laut- 
verschiebung. 

§. 128. 2. anm. s. 239 ist noch zu bemerken, dafs R. Bech- 
stein seine ansieht über die ausspräche des mbd. iu neuerdings 
in Pfeiffer's Germania V. 403 des weiteren dargelegt hat 

A. Kuhn. 



Du Hildebraodslied nach der handschrifl von neaem henuugegeben, 
kritisch bearbeitet und erläatert nebst bemerknngen über die ehe- 
maligen Codices der casseler bibliothek, von C. W. H. Grein. 
Inauguraldissertation Marburg. 1858. 

Vorliegende kleine schritt erschöpft ihren gegenständ so voll- 
kommen, dafs durch sie die forschnng über das Hildebrandslied 
für lange zeit abgeschlossen sein wird. Nach vollständiger lite- 
ratur des liedes und geschichte der handscbrift folgt der diplo- 
matische abdruck und auf diesen die redaktion des textes, wel- 
che neben vielem anderen als wichtigstes zwei berichtigungen 
ans der handschrift selbst enthält In den folgenden anmerkun- 
gen wird redaktion und Übersetzung näher b^rnndet und auch